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Mountain

Registered User

Date of registration: Mar 8th 2007

Posts: 890

1

Tuesday, May 1st 2007, 12:24pm

Ab welchem VPIP ist ein Call "gerechtfertigt"

Hallo Alex,

schon öfter hatte ich folgende Situation. MTT, der Gegner völlig unbekannt. Noch nichts von ihm gesehen, keine Ahnung womit er raised oder reraised. Ich sitze mit A-10s oder A-Jo im BB, alle folden bis zum Button und der eröffnet natürlich mit einem Raise. Nichts wildes, 3 - 4 BB.

Hier antworte ich schon mal, mit den o.g. Händen, mit einen Reraise auf das dreifache seines Raises.

Mal gehts gut, mal nicht. Damit kann und muß ich leben.

Aber wie sieht es aus, wenn ich nicht schon ein Dutzend mal umgesetzt wurde, sondern schon seit 70 Händen am Tisch sitze und PT Stats von den Spielern habe.

Ab welchen Werten kann ich bedenkenlos reraisen oder ein all-in callen? Klar, bei einem Gegner mit 8,9% VPIP lasse ich die Verteidigung schon von vornherein sein aber was ist mit 25% oder 18%?

Harrington bezeichnet ja schon Spieler mit 30% VPIP als Super-aggressive. Gibt es da erfahrungsgemäß eine Grenze, ab wann man profitabel verteidigt oder ein All-in callt?

Und falls die Frage wider Erwarten leicht zu beantworten sein sollte, wie sieht es im Vergleich dazu beim Cashgame aus?

Vorab schon mal vielen Dank,

Mountain :D
there is no way to fold ten high

River Rats Blog

Alex Lauzon

Head-Coach

Date of registration: Mar 7th 2007

Posts: 321

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2

Tuesday, May 1st 2007, 7:04pm

Re: Ab welchem VPIP ist ein Call "gerechtfertigt"

Hallo Mountain!

Eine interessante Frage, die, wie üblich, nicht so leicht zu beantworten ist.

Zuerst ein Grundsatzgedanke: Je größer das Verhältnis von Stack zu Big Blind desto kleiner die Risikobereitschaft!

Weiters fällt die Aggressionsbereitschaft des Gegners in Relation zur Position ins Gewicht. Spielt jemand aus früher und mittlerer Position extrem vorsichtig, respektiert dabei aber den relativen Anstieg des Kartenwertes am Button oder Cutoff (nachdem bis zu ihm gepasst wurde), ist der allgemeine VPIP-Wert nicht wirklich repräsentativ.

Ein All-in zu callen ist selten ratsam, außer mit zumindest A-Q oder einem Taschenpaar von 9-9 aufwärts. (Suited Cards sind im Heads-up auch nicht so sehr von Bedeutung, da die Wahrscheinlichkeit für ein Flush nur 15 zu 1 beträgt.) Eine typische Ausnahme wäre hier, wenn der Gegner kurz davor einen beträchtlichen Teil seines Stacks verloren hat. Das führt, in vielen Fällen, zu überaggressivem Verhalten. (Unter dieser Voraussetzung callte ich kürzlich ein All-in mit A-9. Der Gegner spielte K-5o.)

Anders sieht es natürlich aus, wenn es sich nicht um ein All-in, sondern um ein Raise vom Button (oder Cutoff) handelt (und der eigene Stack noch Spielraum erlaubt). Hier bringt ein Reraise drei Möglichkeiten:

1.) der Gegner passt
2.) er geht mit und Du hast das bessere Blatt
3.) Du hast das schwächere Blatt und es verbessert sich durch Kauf

Erfolgt vom Button (oder Cutoff)ein Raise in 40% bis 50% der Fälle, wenn bis zu ihm gepasst worden ist, dann eignet sich für diese Gegenwehr grundsätzlich jedes Blatt von A-10 aufwärts und jedes Taschenpaar. K-Q oder K-J würde sich eher für einen Call eignen, weil die Gefahr von Ass mit niedrigem Kicker natürlich immer gegeben ist. Die 2-zu-1-Chance der Verbesserung rechnet sich durch die implied Odds. (Check-Raise, wenn der Flop passt.)

Jetzt gibt es aber auch noch jene Gegner, von denen, im Falle eines Reraise, mit einem kategorischen All-in zu rechnen ist. In diesem Fall sollte eher zurückhaltend agiert werden, um dieses All-in mit entsprechend gutem Blatt auszunützen. Selbst All-in zu raisen wäre natürlich auch eine Option, doch das hängt von der Call-Bereitschaft des Gegners ab.

Hierzu eine oft erfolgreiche Bluffstrategie: Es erfolgt ein Raise vom (recht aggressiven) Button. Du callst und bringst einen Einsatz am Flop in Pothöhe. Dabei nützt Du die schwächere Position aus. In zwei von drei Fällen hat sich sein Blatt nicht verbessert und er müsste passen (sofern Dein Image intakt ist und der Gegner kein Maniac ist).

Wie meistens, so lässt sich keine Standardempfehlung finden. Wichtig ist, dass wir, auf Grund der gesammelten Informationen, davon ausgehen können, in dem speziellen Fall Favorit zu sein. Dass es dann immer noch passieren kann, dass A-K von 7-2 geschlagen wird (in einem von drei Fällen), ist uns natürlich allen bekannt.