Hallo Zamperl!
Solide gespielt, eignet sich in diesem Fall eigentlich nur A-A, K-K, Q-Q und A-K für ein Raise. Wobei das Raise mit A-K nicht verbindlich wäre. Gehe ich davon aus, dass Big Bind ebenso mitgeht wie Cutoff und Button, kriege ich fürs Raise zwar Odds von 1 zu 3 und die Verbesserungschance am Flop liegt bei etwa 1 zu 2, doch kann ich, wenn ich A-K hier zurückhaltend spiele, in den weiteren Einsatzrunden, im Falle einer Verbesserung, vermutlich mehr herausholen. Inwieweit ich durch Slowplay zu täuschen versuche, hängt natürlich von der üblichen Dynamik in den weiteren Einsatzrunden ab.
Die erwarteten 3 Gegner in Verbindung mit der schwächsten Position sind nicht unbedingt die besten Voraussetzungen. Das Limpen beider Spieler in später Position vergrößert das Spektrum der möglichen gespielten Karten. A mit niedrigem Kicker, K-9, 7-6 suited (oder sogar offsuite), alles ist möglich. Was immer der Flop bringt, die Wahrscheinlichkeit, dass er einem der Gegner hilft, ist relativ hoch.
Gerade die schwache Position für einen Bluff oder für spekulative Karten auszunutzen ergibt nur dann Sinn, wenn der Flop nicht kategorisch gecallt wird, was aber immer seltener der Fall ist.
Ein Beispiel eines sehr trocken gespielten Tisches:
CU: call
Button: call
SB: raise
BB: fold
Flop:
bet, fold, fold
In den meisten Fällen aber, und das ist nun schon seit etwa zwei Jahren der Fall, wird mit dem kleinen Einsatz am Flop sehr leichtfertig umgegangen. Der Bluff müsste also am Turn fortgesetzt werden, was die Odds extrem verschlechtert.
Es ließe sich natürlich eine lange Liste von Ausnahmen hinzufügen, doch diese sind immer nur dann anwendbar, wenn wir es mit aufmerksamen und vernünftigen Gegner zu tun haben. Nachdem diese auf 1/2-Limit aber selten zu finden sind, lässt sich der beste Profit meist durch Zurückhaltung erzielen. Wenn Gegner mit 2-2 kategorisch bis zum Showdown callen, gewinne ich immer nur mit dem besseren Blatt, dafür aber größere Pots.
Viele Grüße,
Alex