Bei einigen von Sklanskys Empfehlungen frage ich mich, ob er sich eine neue Art von Gegnern heranziehen möchte!
Dass tightes Spiel auf loosen Tischen Ausnahmen unterliegt, schreibt er auch an anderer Stelle - und hat damit völlig recht. Vor dem Flop lassen sich wesentlich mehr Karten spielen, weil die Odds absolut passen, um auf Straights und Flushs zu warten, und danach lässt sich mit halbwegs gutem Blatt natürlich auch die Callfreudigkeit der Gegner nützen.
Was K-8 und J-7 betrifft, würde ich damit sehr vorsichtig umgehen. Das Problem liegt, insbesondere in Multiway-Pots, darin, dass derartige Karten auch im Falle von Verbesserung oft geschlagen werden. Wie soll ein Blatt profitabel werden, wenn es sich nicht nur selten verbessert, sondern dann auch noch oft zum zweitbesten Blatt?
Bei vielen Callern lassen sich natürlich auch kleine Pocket-Pairs von UTG spielen, ebenso wie alle Connectors, One- und Two-Gappers. Die Pots werden so hoch, dass sich die seltene Verbesserung lohnt.
Calls am River sind am Limit-Tisch natürlich auch oft profitabel, zumindest gegen einen Gegner. Die Odds stehen dabei so günstig, dass man schießlich nur in einem von mehreren Fällen gewinnen muss. Dazu kommt noch, dass sich Spieler mit Bluffs zurückhalten müssen, wenn regelmäßig gecallt wird.
Anders aber, wenn mehrere Gegner im Pot sind. Dann werden Calls mit dem niedrigsten Paar oder mit Ace-High meist sinnlos.
Was meinen Ausspruch "in Dubio pro Fold" betrifft, so beziehen sich zumindest einige der im Buch angeführten Beispiele auf frühe Einsatzrunden. Mit zweifelhaftem Blatt den Flop zu Callen, den Turn, eventuell ein Raise und dann noch den River, alles zusammen kann natürlich nicht mit einem einfachen River-Call verglichen werden.
Wie schon in meiner letzten Antwort erwähnt, das Spiel plötzlich extrem aufzulockern, führt selten zum Erfolg. Kalkulierenden Spielern vorzuwerfen, dass sie immer zu den Kleingewinnern gehören werden, erscheint mir nicht wirklich als guter Rat. Natürgemäß, die Rake bedenkend, ist es nur ein kleiner Prozentsatz von Spielern, die regelmäßig gewinnen. Wie sollte die Umkehr einer gewinnbringenden Strategie zu größerem Erfolg führen? Lass Dich nicht verunsichern! Spiel Deinen erfolgreichen Stil weiter und verbessere ihn durch vorsichtige Experimente. Nimm Schritt um Schritt ein paar Hole-Cards mehr ins Repertoir, halte den einen oder anderen Gegner ehrlich, durch Calls am River. Weiche aber nicht zu sehr von der Linie ab, die Dir Erfolg beschieden hat.