Poker – Politik – und freie Bürger in einem freien Land
Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Kanada, USA und eine ganze Menge anderer Länder haben eines gemeinsam: Sie bezeichnen sich als reich, als frei und so glaubt auch die Mehrzahl ihrer Bürger an ihre persönliche Freiheit. Immerhin, alle paar Jahre dürfen sie auf einem Kärtchen ein Kreuzchen machen – ich spreche von Wahlen – und was will man schon mehr?
Ich stand kürzlich vor dem Eingang des Montrealer Casinos, die riesigen Fenster mit unübersehbaren Nichtrauchersymbolen geziert – auf den Platz vor dem Eingang verweisend, nicht drinnen – wartete auf mein Auto, zündete mir eine Zigarette an, und sofort kam ein Angestellter auf mich zugeeilt und ersuchte mich wirklich höflich, die Nichtraucherzeichen zu beachten.
Wortlos entfernte ich mich ein paar Schritte. Gedanken gingen mir durch den Kopf. Wie sehr hatte ich es als Kind, als Jugendlicher, als Minderjähriger gehasst, wenn mir andere Leute – meine eigenen Eltern eingeschlossen – immer wieder Vorschriften machten. Das darfst du nicht, das sollst du nicht, dafür bist du zu jung, und alles ist nur zu deinem eigenen Besten.
Gut, die Jahre vergingen. Ich wurde volljährig, später erwachsen und mittlerweile lebe ich seit mehr als einem halben Jahrhundert auf dieser Welt.
Und womit finde ich mich noch immer konfrontiert?
Hier dürfen Sie nicht rauchen. Dort dürfen Sie Ihr Bierglas nicht mitnehmen. Im Pub dürfen Sie doch nicht Poker spielen. In diesem Wohnviertel können Sie keine Kneipe eröffnen. Sind Sie auch angeschnallt? Haben Sie dafür eine Bewilligung?
Während manche Regelungen sich parallel verbreiten, sind andere länderspezifisch. Ums Schwimmbecken im eigenen Garten muss ein hoher Zaun gezogen werden. Schließlich könnte sich des Nachbars Kind verlaufen und darin ertrinken. Bäume am eigenen Grundstück umsägen? Da erklären Sie uns doch bitte erst einmal, warum?
Warum? Warum denke ich über diese Dinge so viel nach? Warum nehme ich es nicht einfach hin, so wie meine Mitbürger es tun. Das ist eben Gesetz! Das ist eben so!
Vielleicht liegt es daran, dass ich Pokerspieler bin – und gleichzeitig Buchautor. Pokerspieler und Buchautoren haben grundsätzlich eines gemeinsam. Sie wollen sich nicht Vorschriften unterwerfen. Sie wollen sich nicht an die Bedingungen, mit denen Andere problemlos leben können, anpassen. Je mehr wir uns anpassen desto weniger fällt uns auf, das mit der einen oder anderen Regelung vielleicht etwas nicht stimmen könnte. Schließlich gibt es für alles Argumente. Rauchen, um Himmels Willen, was ist mit der Feinstaubbelastung? Anschnallen? – Es geht ja bloß um die eigene Sicherheit, man gefährdet doch sonst niemanden! Ja, aber wer zahlt den Krankenhausaufenthalt? Das zahlt doch die Allgemeinheit. Sie wollen bei Rotlicht über die Kreuzung fahren, weil Sie einen Kilometer links, einen Kilometer rechts, einen Kilometer vor Ihnen kein Auto sehen. Weit hinten sind die Scheinwerfer eines Fahrzeuges sichtbar. Könnten Bullen sein. Besser stehen bleiben. Dass man niemanden gefährdet, wenn keiner da ist, kann doch kein Argument sein. Gesetz ist Gesetz – wenn das jeder machen würde.
Mitspieler fürs Home-Game per Internet suchen, gar noch eine Adresse oder Telephonnummer angeben? Autsch. Wenn das die Staatsanwaltschaft mitkriegt. Warum sollen volljährige Bürger nicht entscheiden dürfen, was sie mit ihrem Geld tun? Ob sie’s für neue Schuhe ausgeben, für Schnaps, für leichte Mädchen oder an den Pokertisch bringen oder ins staatliche Spielkasino oder in einen, in so vielen Kneipen legal aufgestellten, Spielautomaten werfen? Wo liegt der Unterschied?
Das ist eben so. Das ist Gesetz.
Wer macht Gesetze? In wessen Interessen werden Gesetze gemacht? Wie soll sich die Flut von Regelungen, die auf unser tägliches Leben, Tag für Tag, Stunde für Stunde, Einfluss nehmen, mit der Idee von Freiheit kombinieren lassen?
Man möge mir verzeihen, dass ich den Ursprung des folgenden Zitates nicht kenne, doch habe ich irgendwo einmal folgenden Satz gelesen: „Freiheit bedeutet, dass jeder all das tun darf, was vom Gesetz erlaubt ist!“ Ergibt doch Sinn, nicht wahr?
Amerika, Inbegriff der Freiheit, Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ein Krieg wurde gegen die englischen Kolonialherren geführt und gewonnen, auf dass die Ideale von Freiheit auf immer und ewig erhalten blieben. Anno 1913, mit dem Beschluss, einer rein privaten Bank, die sich „Federal Reserve Bank“ nennen darf und mit der Bundesregierung, „The Federal Gouvernement“, nicht mehr zu tun hat als „Federal Express“, das Privileg zu erteilen, Geld in Umlauf zu setzen und zwar in Form von Krediten, für die der Staat, also die Allgemeinheit, Zinsen zu zahlen hat, wurde gleichzeitig auch die Idee einer Einkommenssteuer manifestiert. Von irgendwo her musste das Geld für die Zinsen ja kommen. Zwar ist Steuer auf den Ertrag der persönlichen Arbeit, als Form der Sklaverei, in den USA bis heute verfassungswidrig, was selbst in den USA nur ganz wenige Menschen wissen, weil ja schließlich alle ihre Einkommenssteuer bezahlen und weil CNN und FOX das Thema nicht aufgreifen, doch schließlich sind ja ohnehin alle Amerikaner reich und können es sich leisten. Dafür haben viele ja einen zweiten und oft dritten Job, selten ein paar Tage bezahlten Urlaub, keine Krankenversicherung. Dafür, so der noch immer amtierende Präsident, hassen die Araber schließlich Amerika, weil Amerika reich ist, weil Amerika frei ist.
Dann wurde der Genuss von Alkohol verboten. Dann wurde der private Goldbesitz verboten. Pokerspielen war ohnehin fast überall verboten. Ich will hier gar nicht aufzählen, was noch alles verboten wurde, die Jahrhunderte alte Gepflogenheit des Tabakgenusses eingeschlossen. Und dass das Verbot, online zu Pokern auch wirklich eingehalten wurde, hat man den Geldinstituten verboten, Überweisungen auf Pokerkonten durchzuführen.
Langsam hat man sich an all die Verbote gewöhnt, nimmt sie hin, lebt damit, so wie der Frosch, der im kalten Wasser sitzt, das langsam erwärmt wird, und ganz darauf vergisst, aus dem Wasser raus zu springen, bevor es zu kochen beginnt.
Warum schreibe ich eigentlich über diese Dinge? Will ich mir einfach den Ärger von der Seele schreiben, will ich auf etwas verweisen, glaube ich, etwas damit bewirken zu können? Nein, glaub’ ich nicht. Wahrscheinlich spielt alles zusammen. Ich wundere mich nur, dass Menschen, die sich für intelligent, objektiv, erfahren, zu gesundem Urteilsvermögen fähig halten, all das so kommentarlos hinnehmen, hier so wie dort, gestern so wie heute. Und was kommt morgen?
So spielen wir einfach weiter unser kleines Pokerspiel. Vom großen Poker hören wir ohnehin nur Gerüchte und lassen uns erzählen, dass wir nichts davon verstünden, dass es dafür Fachleute, Experten gäbe. Wir leben in Demokratien, wir, die Wähler treffen ja schließlich die Entscheidung. Alles passiert zu unserem eigenen Besten. Könnte man mehr verlangen? Good Luck!
Alex Lauzon
Spruch der Woche:
"Wenn man einen Wohnungsbrand als MP3 speichert, kann man ihn viel leichter löschen!"
Alles rund ums Thema Poker unter
www.pokerakademie.com