You are not logged in.

  • Login
  • Register

pokerakademie

Administrator

Date of registration: Feb 28th 2007

Posts: 2,153

Thanks: 3153

1

Thursday, December 3rd 2009, 9:42pm

Poker, Wahrscheinlichkeiten, Überraschungen – und viel Geduld

Spruch der Woche: "Wenn man einen Wohnungsbrand als MP3 speichert, kann man ihn viel leichter löschen!"

Alles rund ums Thema Poker unter www.pokerakademie.com

2 registered users thanked already.

Users that thanked:

82Sue (13.12.2009), Aczaha (09.12.2009)

Aczaha

Junior

Date of registration: Oct 22nd 2009

Posts: 21

Thanks: 91

2

Wednesday, December 9th 2009, 4:10pm

Au backe, als ob du den Artikel für mich geschrieben hättest...

Ich befinde mich seit drei Wochen in einer Art Turnierpause und habe auch erst vor einer Woche wieder mit Cashgame angefangen, weil ich so down war. Nachdem ich im August einen recht ansehnlichen Betrag in der Quarter Million gewonnen habe, ist nicht mehr viel zusammen gelaufen. Hab ich jedenfalls das Gefühl. Bei Licht betrachtet, sieht das meiste eigentlich dann doch noch ganz ok aus. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass ich mit einer Bankroll spiele, von der ich gerade einmal einen Bruchteil selbst eingezahlt habe. Und die neue Matratze in meinem Bett ist auch längst noch nicht durchgelegen.
Und trotzdem nagt es einem...die fehlenden Finaltische. Und dann vor ein paar Wochen fing es auch noch an, dass die BadBeats so richtig mies wurden und in Reihe zuschlugen. Ich geb zu, ich bin ein Mädchen, denn es gab einen Abend, da war ich so frustriert und fühlte mich so unglaublich hilf- und ratlos, dass ich anfing zu heulen. Dabei kann ich schon viel besser verlieren, als noch vor einem Jahr.
Es sind die beständigen Zweifel die an einem nagen. Dazu tragen irgendwie auch Pokerforen und Gegner dazu bei. Die meisten scheinen nach nur kurzer Eingewöhnungszeit einen Pokerhöhenflug hingelegt zu haben, der niemals enden wird. Und wenn man nicht ansatzweise einen ebenso schnellen Höhenflug hinlegt, dann hat man halt einfach noch nicht genug gelernt, spielt noch zu schlecht.

Es erinnert mich ein wenig an meine Wanderung auf dem Jakobsweg vor einem Jahr. Im Juli war der Weg noch so voll, dass es ein regelrechtes Bettenrennen gab. Leute erzählten mir außerdem, dass sie 40km am Tag laufen, also dachte ich, dann müsste ich doch wohl auch mindestens 30km schaffen. Gesagt, getan - oder besser: versucht. An dem einen Tag, wo ich tatsächlich 32km schaffte, habe ich bei Ankunft in der Herberge vor lauter Erschöpfung und Heulen eine Viertelstunde lang nix sagen können. Ich hatte mir die Ziele und den Ehrgeiz anderer zu eigen gemacht und bekam nun die Quittung dafür. Ein Franzose, der tatsächlich schon in Nordfrankreich gestartet war, sagte mir, dass jeder Mensch seinen eigenen Jakobsweg gehen muss. Zwei Tage später übernachtete ich in einer anderen Herberge. Es war 4 Uhr morgens als ein fränkischer (männlicher) Mitwanderer (der eigentlich auch völlig fertig war) an meinem Bett rüttelte und sagte: "Wir müssen aufstehen, wir müsen los, die ganzen Italiener aus der Herberge sind auch schon weg". Und meine Antwort war: "Ist mir doch egal, ich steh ganz sicher nicht mitten in der Nacht auf, um im Dunkeln durch Norspanien zu stolpern." Den Franken hab ich nie wieder gesehen, wahrscheinlich war er viel früher nach 700km in Santiago. Aber angekommen bin ich trotzdem.

Jetzt bin ich wieder auf einem Weg. Bin viel langsamer als die Angeber in den Pokerforen. Hab das Gefühl ich sei im Minus (was Quatsch ist). Hab eine Kurve, die auch beim neu angefangenen Cashgame nach unten zeigt. Und immer kommen die Zweifel.
Ich muss mich daran erinnern, dass langsam sein, mich nicht zu einem Loser macht. Ja selbst, dass Verlieren mich beim Pokern nicht automatisch zum Verlierer macht. Und dass es nicht nur ums Gewinnen und Verlieren gehen sollte, sondern auch darum ein wenig Spass daran zu haben. So viele Stunden habe ich schon in dieses Spiel gesteckt. Nicht nur zum Spielen. Videos, Bücher, usw...
Und doch vergesse ich manchmal, dass es Spass bringen sollte, damit man auch wirklich was lernt. Und das absurdeste daran ist: Auch wenn ich meine komplette momentane Bankroll verliere wäre ich immer noch im Plus...

Sollen doch die Jungs ruhig schon mal vorrennen..ich komm dann nach. Und ich werde ganz sicher keine 7 Millionen an den Tischen wieder verlieren. Ich zieh ins Nachbarhaus von micha, da hinten am Ende der Welt...oder des Weges.

pokerakademie

Administrator

Date of registration: Feb 28th 2007

Posts: 2,153

Thanks: 3153

3

Thursday, December 10th 2009, 7:31pm

Erstmal danke für die Blumen, ich geb sie aber gerne an Alex (der hat den Artikel geschrieben) weiter ;)

zum Thema "die Typen mit dem Höhenflug": ja solche Kameraden gibt es. Das sind entweder Genies (1%), Lügner (geschätzt 70%) oder solche, die einfach einen Mega-Run haben und dadurch aber nur die Fallhöhe nach oben schrauben (29%). Denen kam man aber auf ihrem Rückweg nach unten ganz locker zuwinken, sogar beidhändig 8)

Ist Dir ausserdem schon mal aufgefallen, dass es in keinem Forum/Community auch nur einen einzigen Loosing-Player gibt? Und Bankroll-Poser, ob nun echter Gewinn oder erfundener, tun mir in den meisten Fällen einfach nur leid. Diejenigen, die wirklich dicke Gewinne haben, sollten evtl. lieber die Klappe halten um Neider fernzuhalten und die "Erfinder" sind die armen Schweine, die jeden Monat fleissig ins System einzahlen.

Und überhaupt, was kümmert uns mitdenkende und/oder erwachsene Menschen das Geschwätz der Nachbarn? Solange der eigene Weg nach oben geht, mit allen dazugehörenden Ups und Downs, ist der Winkel der ansteigenden Linie von Punkt Null bis zum heutigen Plus vollkommen wurscht. Im Gegenteil. Alles was jenseits von 20° Steigung liegt, ist nicht normal und meiner Meinung nach "ungesund", bzw nur sehr kurzfristig zu erreichen.

Ich habe gerade einmal nachgerechnet und festgestellt, dass ich im Sommer 2004 mit der Online-Pokerei begonnen habe. Ich kann also voller Stolz behaupten, noch die "gute alte Zeit" miterlebt zu haben, in der man mit einer Minimal-Strategie der ungekrönte König war. Leider habe ich mich erst ab Frühjahr 2005 mit diesem Thema beschäftigt, vorher aber nur Freerolls gespielt, oder "geschenktes" Geld vermehrfacht und anschliessend wieder verblasen. In der Zeit waren, wenn meine Erinnerung mich nicht trübt, ca. $50 eigenes Geld im Spiel.

Nach der Lektüre des ersten Buches und der Erkenntnis, dass Poker KEIN Glückspiel ist, ging es dann auch wirklich aufwärts. Frustrierend war nur, dass man mit dem neu gewonnen Wissen erst erkannt hat, was für eine SCHEISSE (sorry) die meisten Gegner spielen und wie sie Dir trotzdem die Kohle aus dem Kreuz leiern, KEIN Glückspiel? Von wegen - oder doch nicht?

Um aus diesem Stadium herauszukommen, habe ich dann auch noch Bankrollmanagement in mein Portfolio aufgenommen und seither keinen Cent eigenes Geld mehr in das System gepumpt. Es geht also, longterm-winning-player zu sein, allerdings werde ich den Teufel tun und irgendwem verraten, ob ich seither 2 Cent, oder 6 Mios im Plus bin, bzw. war. (NEIN ich bin NICHT Isildur!!!)

Was ich aber neben ein (oder zwei) bißchen Geld noch wesentlich mehr gewonnen habe, ist die Erfahrung, die mich heute über nahezu jeglichen BadBeat nur noch lachen lässt. Ich habe zwar nie dazu tendiert Hardware zu zerdeppern, oder sonstwie gewalttätig zu werden, aber ich kann mich noch gut erinnern, dass mein Spiel nach solchen Erlebnissen mehr als nur gelitten hat. Weniger in Form von Tilt, sondern durch nackte Angst und übertriebene Vorsicht. Aber auch darüber kommt man irgendwann weg. Heute erkenne ich das und lass dann einfach die Finger von der Maus. Morgen ist auch noch ein Tag zum pleite gehen.

Von daher hast Du mit Deiner Pause sicherlich das richtige getan. Wieder einen klaren Kopf bekommen und dann ausgeruht an die Tische. Und lass Dich nicht von anderen "Helden" beeindrucken. Die kochen auch nur mit Wasser und ein Großteil ihrer heldentaten ist gemogelt.

Das schöne am Poker ist ja eigentlich, dass es eben KEIN Santiago de Compostella gibt. (Mal von NL $200K und 6 Mios plus abgesehen). Der Weg ist das Ziel und der Weg ist lebenslang. Wer wirklich ein Gewinner ist, stellt sich also erst im hohen Alter raus. Und bis die jüngen Hüpfer, die 3 Limits in 4 Tagen überspringen erstmal so alt sind, fliest noch viel Wasser den Rio Grande hinab :-)
Spruch der Woche: "Wenn man einen Wohnungsbrand als MP3 speichert, kann man ihn viel leichter löschen!"

Alles rund ums Thema Poker unter www.pokerakademie.com

82Sue

Advanced

Date of registration: Sep 26th 2007

Posts: 723

Thanks: 541

4

Sunday, December 13th 2009, 8:32pm

Quoted

Der Weg ist das Ziel und der Weg ist lebenslang...Und genau das muss man sich immer wieder vor Augen halten


Dank an Alex für den klasse Arikel, der mir wieder Antrieb gibt und ich weiß das es halt seine Zeit dauert.

So gern will ich mehr spielen, mehr Videos schauen und mich mehr mit dem ganzen Thema befassen, doch ich muss mich wohl in Geduld üben, mit Familie geht das halt nicht immer so schnell vorran wie ich will...

Quoted

Sollen doch die Jungs ruhig schon mal vorrennen..ich komm dann nach. Ja, wenn auch viiiiieeeeellll langsamer Und ich werde ganz sicher keine 7 Millionen an den Tischen wieder verlieren. NEVER Ich zieh ins Nachbarhaus von micha, da hinten am Ende der Welt...oder des Weges. Ich nehm das Nachbarhaus zur anderen Seite ;)