Erstmal danke für die Blumen, ich geb sie aber gerne an Alex (der hat den Artikel geschrieben) weiter
zum Thema "die Typen mit dem Höhenflug": ja solche Kameraden gibt es. Das sind entweder Genies (1%), Lügner (geschätzt 70%) oder solche, die einfach einen Mega-Run haben und dadurch aber nur die Fallhöhe nach oben schrauben (29%). Denen kam man aber auf ihrem Rückweg nach unten ganz locker zuwinken, sogar beidhändig
Ist Dir ausserdem schon mal aufgefallen, dass es in keinem Forum/Community auch nur einen einzigen Loosing-Player gibt? Und Bankroll-Poser, ob nun echter Gewinn oder erfundener, tun mir in den meisten Fällen einfach nur leid. Diejenigen, die wirklich dicke Gewinne haben, sollten evtl. lieber die Klappe halten um Neider fernzuhalten und die "Erfinder" sind die armen Schweine, die jeden Monat fleissig ins System einzahlen.
Und überhaupt, was kümmert uns mitdenkende und/oder erwachsene Menschen das Geschwätz der Nachbarn? Solange der eigene Weg nach oben geht, mit allen dazugehörenden Ups und Downs, ist der Winkel der ansteigenden Linie von Punkt Null bis zum heutigen Plus vollkommen wurscht. Im Gegenteil. Alles was jenseits von 20° Steigung liegt, ist nicht normal und meiner Meinung nach "ungesund", bzw nur sehr kurzfristig zu erreichen.
Ich habe gerade einmal nachgerechnet und festgestellt, dass ich im Sommer 2004 mit der Online-Pokerei begonnen habe. Ich kann also voller Stolz behaupten, noch die "gute alte Zeit" miterlebt zu haben, in der man mit einer Minimal-Strategie der ungekrönte König war. Leider habe ich mich erst ab Frühjahr 2005 mit diesem Thema beschäftigt, vorher aber nur Freerolls gespielt, oder "geschenktes" Geld vermehrfacht und anschliessend wieder verblasen. In der Zeit waren, wenn meine Erinnerung mich nicht trübt, ca. $50 eigenes Geld im Spiel.
Nach der Lektüre des ersten Buches und der Erkenntnis, dass Poker KEIN Glückspiel ist, ging es dann auch wirklich aufwärts. Frustrierend war nur, dass man mit dem neu gewonnen Wissen erst erkannt hat, was für eine SCHEISSE (sorry) die meisten Gegner spielen und wie sie Dir trotzdem die Kohle aus dem Kreuz leiern, KEIN Glückspiel? Von wegen - oder doch nicht?
Um aus diesem Stadium herauszukommen, habe ich dann auch noch Bankrollmanagement in mein Portfolio aufgenommen und seither keinen Cent eigenes Geld mehr in das System gepumpt. Es geht also, longterm-winning-player zu sein, allerdings werde ich den Teufel tun und irgendwem verraten, ob ich seither 2 Cent, oder 6 Mios im Plus bin, bzw. war. (NEIN ich bin NICHT Isildur!!!)
Was ich aber neben ein (oder zwei) bißchen Geld noch wesentlich mehr gewonnen habe, ist die Erfahrung, die mich heute über nahezu jeglichen BadBeat nur noch lachen lässt. Ich habe zwar nie dazu tendiert Hardware zu zerdeppern, oder sonstwie gewalttätig zu werden, aber ich kann mich noch gut erinnern, dass mein Spiel nach solchen Erlebnissen mehr als nur gelitten hat. Weniger in Form von Tilt, sondern durch nackte Angst und übertriebene Vorsicht. Aber auch darüber kommt man irgendwann weg. Heute erkenne ich das und lass dann einfach die Finger von der Maus. Morgen ist auch noch ein Tag zum pleite gehen.
Von daher hast Du mit Deiner Pause sicherlich das richtige getan. Wieder einen klaren Kopf bekommen und dann ausgeruht an die Tische. Und lass Dich nicht von anderen "Helden" beeindrucken. Die kochen auch nur mit Wasser und ein Großteil ihrer heldentaten ist gemogelt.
Das schöne am Poker ist ja eigentlich, dass es eben KEIN Santiago de Compostella gibt. (Mal von NL $200K und 6 Mios plus abgesehen). Der Weg ist das Ziel und der Weg ist lebenslang. Wer wirklich ein Gewinner ist, stellt sich also erst im hohen Alter raus. Und bis die jüngen Hüpfer, die 3 Limits in 4 Tagen überspringen erstmal so alt sind, fliest noch viel Wasser den Rio Grande hinab :-)