Es sind eigentlich alle (richtigen) Überlegungen bereits ausgesprochen.
Natürlich hast Du recht, dass es im Turnier erst einmal ums Überleben geht. Doch dieses Überleben ist nur möglich, wenn ich hin und wieder auch ein paar Chips gewinne. Nachdem gute Karten ja doch recht selten fallen, kann ich nicht jedem Risiko ausweichen. Wie Vitty bereits erklärt hat, gibt es einige Situationen, kurz vor der Bubble, kurz vor dem Final Table etc., in denen ich dieses Risiko vermeide. Mit knapp unterdurchschnittlichem Stack in der mittleren Turnierphase ist es aber durchaus ratsam, eine Verdreifachung zu suchen. Entweder sparst Du Zeit oder Du spielst mit solidem Stack.
Mit 9-9 UTG zu limpen ist durchaus korrekt. Du hast so viele Spieler hinter Dir, dass Du einmal vorsichtig im Pot bleibst. Erfolgt viel Action danach, kannst Du Dich billig verabschieden. (Für mitdenkende Spieler wirkt dieses Limpen außerdem sehr bedrohlich.)
Das erste All-in schaut natürlich keineswegs nach einem Flush aus. Der Call eher, könnte aber durchaus - und berechtigt - auch auf

beruhen,

,

oder

. Doch selbst im Falle eines bereits vorhandenen Flushs ist Deine Chance ziemlich exakt 2 zu 1, die Odds aber deutlich besser.
Nehmen wir an, die Chancen stehen 40/60 für Dich. Weichst Du der Konfrontation aus, quälst Du Dich mit einem schwachen Stack weiter und hoffst auf eine Chance zum Verdoppeln. Callst Du, verfügst Du über eine 40%ige (im ungünstigsten Fall 34%ige) Chance, mit einem Stack, der das dreifache vom Durchschnitt beträgt, weiter zu spielen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend jemand an dieser Stelle gepasst hätte.
Übrigens, beim Invitational der disjährigen WSOP, Champion of Champions, wurde Doyle Bruson ebenfalls durch einem Odds-Call eliminiert.