Was macht man, wenn man mit reichlich Schlafdefizit an einem 200-Mann Deepstack Turnier teilnimmt? Strategie und Plan ist das Stichwort!
Die Strategie war klar definiert: Sieg oder Selters
Der Plan: wenns nicht klappt, alles auf die Karten schieben.
Um mit Hannibal Smith´s (der vom A-Team) Worten zu sprechen: "Ich liebe es, wenn ein Plan aufgeht"
Doch wie kam alles? Fangen wir mal ganz vorne an...
Freitag Abend, 19:30, mich beschleicht ein leichtes Müdigkeitsgefühl und ich denke es wäre clever, die Gunst der Stunde auszunutzen, um am Samstag morgens fit zu sein, Abfahrt nach DO ist für 6 Uhr geplant und da ich eher dazu neige um 5 Uhr ins Bett zu gehen, anstatt aufzustehen, könnte es evtl. klappen 8-9 Stunden zu schlafen. Die Nacht vorher war ebenfalls recht kurz (das war als Vorplanung auch so gedacht). Soweit so gut... 20 Uhr eingeschlafen, 23 Uhr aufgewacht und ab dem Moment glockenhell wach. Perfekt.
Immerhin hat die nächtliche Pokersession der Bankroll gut getan, wenn schon die körperliche Fitness leiden muss
In Dortmund angekommen, besichtigen wir die Location, sieht alles sehr gut aus, das lässt schon mal hoffen. Und so nach und nach trubeln dann auch alle PA-ler ein. Ein wirklich ausnahmslos netter Haufen, aber das war ja auch anzunehmen
Wie bereits von Sue beschrieben, gab es einige Tische an denen gleich mehr Mitstreiter aus der eigenen Fakultät saßen, so auch bei mir. Rechts neben mir Christoph (ISO1497) und 2 weiter links Pierre (Possiworld). Gut macht nix, mit ISO hab ich schon ein paar mal live gespielt und Possi kenn ich ja aus dem Fernsehen, der macht mir nix vor. Position hin oder her
Als es um 16 Uhr dann endlich losgeht und der magische Satz "Shuffle up and deal" gesprochen wird, blicke ich beruhigt in meine ersten Holecards: 87o, hurra, weg damit. Mein Traum der vergangenen, 3-stündigen, "Nacht" war in der ersten Hand AA zu bekommen und gegen einen Superdonk, der mit 72o all in raist auszuscheiden. Gefahr gebannt, doch was bringt der Flop? 887, naja kommt vor
Nächste Hand: ich werf 75o gekonnt weg - Flop 75x, naja kommt vor
3. Hand: endlich mal kein Floptreffer, das beruhigt
4. Hand: weg mit 86o - Flop 579, naja kommt schon mal vor
5. Hand: ich hätte 2Pair gefloppt, wenn ich die beiden putzigen Karten denn gespielt hätte
6. Hand: Flush gefloppt, sofern man 32s in so einer Phase des Turniers spielt
7. Hand: mal wieder kein Treffer - geht doch
8. Hand: siehe 7. Hand

9. Hand: 2 Pair gefloppt, nur leider nicht gespielt, naja kommt vor, aber so oft
10. Hand: Oh Wunder es gibt auch Bildkarten in diesem Deck, aber K2 mag ich trotzdem nicht und der Flop hätte wundersamerweise auch keine Verbesserung gebracht.
Fazit der ersten Runde: Kein Maniac am Tisch, Müll würde zu Gold und ich bleib erstmal bei meiner Strategie nur wirklich gute Hände zu spielen.
Kurz vor Level 2 kommt dann auch die ersehnte Hand: KK - raise auf 4 BB - call - call. Pot 600, Flop Axx mit Flushdraw. Ok mal sehen, ob jemand ne A hat und den Flushdraw direkt vergraulen. 500, fold, call. f***. Turn und River helfen nix, es wird gecheckt (der hat offenbar nen Scheiss-Kicker) und er deckt A5o auf. Guter Read von mir, schlechter preflop call von ihm, aber macht nix.
Mitte Level 2 bekomm ich AKo. Ein Limper, ein Raise auf 450, ich beschliesse keinen Flop sehen zu wollen und reraise auf 1500. Gegner denkt nach und callt. Der Flop (TTx) bringt natürlich nix (in der ersten Runde gings doch auch

) und er bettet 2500. Danke fürs Gespräch. Fold. Er meint er hätte KK gehabt und setzt mich auf AK. Ich behaupte ich hätte NICHT TT gespielt, was man mir anstandslos glaubt
1. Pause 7,7 K an Chips, 2 Zigaretten und weiter gehts
Es folgt ein halbes Stündchen Dauerfold und dann bekomme ich mit K2 im BB einen kostenlosen Blick auf den Flop. Dank 4 Limpern und dem Flop K2x kann ich das Ding ohne Gegenwehr abgreifen. Ein paar Hände später raise ich vom Button und kann Possi (BB) auf einem gepaarten Board mit A am River überreden mir den Pot zu überlassen. Ist sonst nicht meine Art, aber ich gebe zu, an der Stelle hab ich gelogen. Sorry Possi. Ich hatte 76 und kein A. Aber es war sooooted. :-)
2. Pause 8,7K an Chips, 2 Zigaretten und weiter gehts.
Ich treffe mit AQo das Top Paar und kann meinen Stack auf 12,5K aufpusten, was zu dem Zeitpunkt Average ist, allerdings hält die Freude nicht sehr lange an. Direkt danach laufen die Blinds durch und dann bekomme ich 99, was ich gegen eine Potsizebet am Flop wegwerfen darf. Und während ich so vor mich hin blinde, fasse ich den Entschluss nicht mit einem M von knapp 5 ins nächste Level gehen zu wollen. Momentan hab ich noch M7 und in 2 Händen kommen die Blinds. jetzt brauchts ÄKTSCHN. Und siehe da, UTG blicke ich auf AQs und raise auf 2,5K. Alles foldet und ISO, der immer noch rechts von mir sitzt, ebenfalls nicht gerade bigstacked, aber ein paar Taler mehr als ich, blickt in seine Karten, überlegt kurz und schiebt alle Chips zur Mitte.
Wenn das nun ein privates SnG gewesen wäre, hätte ich seine Range irgendwo zwischen 57o und AA angesiedelt. Hier ging es aber für beide mehr oder weniger ums überleben, auch wenn seines noch gesichert war, mit ca. 1000 Chips wollte er bestimmt auch nicht weiter spielen. Also grenze ich mal ein bißchen ein. Gegen jedes Paar bis JJ ists ein Coinflip, den ich gerne annehme. Ax soll mir auch recht sein, KQ selbstverständlich ebenfalls. Mit KK und AA hätte er womöglich nicht all in gespielt, sondern nur gereraist und mich reingelockt. Gegen AQ wirds ein Split und wenn er AK hat brauchts dramatische Hilfe.
Kurz gesagt, gegen einen Coinflip hab ich nix (double up or die), gegen viele mögliche Hände liege ich sogar vorne und wenns AA KK oder AK ist, dann isses halt so, wenigstens bleiben die Chips bei der Pokerakademie. Die Odds passen - CALL.
Sein Blick sagt mir, dass er lieber gesehen hätte, wenn ich folde, aber seine Karten zeigen mir, dass ich lieber folden hätte sollen: AKo
Auf gehts Pokergott, jetzt zeig mal was Du kannst. Her mit den Mädels.
Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und deswegen kann ich erst auf dem Turn sagen, dass ich geschlagen bin, denn mit Runner Runner Q hätte ich das Ding nochmal umgedreht. Flop: AKx - das war wohl nix
Somit hab ich frei und kann noch ein paar nette Gespräche führen, ein paar Fotos machen, den noch spielenden Pokerakademikern die Daumen drücken und nach 24 Stunden auf den Beinen einen geordneten Rückzug antreten.
Auf der Heimfahrt lasse ich die Veranstaltung nochmal Revue passieren und komme zu dem Ergebnis, dass es ein geiler Tag war, rundherum perfekt organisiert vom Mermaid Team. Zu vielen Stimmen und getippten Buchstaben, die man über Skype kennt, gibts nun auch ein Gesicht und es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Pokerkademie offline zusammentrifft. Soviel steht fest.
Unterwegs kommen noch ein paar Anrufe und SMSen mit Ergebnissen und ich freue mich für alle, die ihr Ziel, oder sogar noch mehr erreicht haben. Und mit Hörmi hatten wir ja immerhin einen PA-Vertreter "ITS" (in the Sachpreise). Herzlichen Glückwunsch.
Um 3:20 (nach neuer Zeitrechnung) sind wir zu Hause und als der Kopf das dazugehörige Kissen berührt, träume ich bereits von einem Paar Assen in der ersten Hand... beim nächsten Mal.