Nun, als Neuer in dieser Community habe ich einfach Bock, auch mal meinen Senf zu etwas zu geben...
Ich sehe, wenn ich jetzt im Kopf richtig gezählt habe, insgesamt 6 Fehler auf beiden Seiten.
1.) Preflop-Action alpman
2.) Postflop-Bet alpman
3.) Postturn-Bet alpman
4.) 2 Calls von Rob (beide zusammen sind nur ein Fehler, Erklärung folgt)
5.) River-Bet alpman
6.) All in Call alpman
zu 1.) In meinen Augen ist das nicht nur der erste sondern auch schwerste Fehler. Wenn alle Spieler, einschließlich Button, preflop folden, dann muss ich befürchten, dass der Big Blind denkt, ein Raise vom Small Blind ist lediglich jener Steal-Versuch, den der Button unterließ. Und nur weil er das denken KÖNNTE (weil es ja auch naheliegt), aus diesem Grund alleine raise ich aus dem Small Blind in einer solchen Situation ausschließlich mit Händen, mit denen ich auch UTG gegen ein noch volles Feld raisen würde. Und KTo gehört sicher nicht dazu. Mit KTo habe ich eine Hand, mit der ich out of Position nie weiß, was ich tun soll, selbst dann nicht, wenn ich Top two Pair treffe (was eh äußerst selten ist). Treffe ich nichts oder nur wenig, muss ich eh nach der ersten Gegenwehr wieder wegschmeißen. Auf gut Deutsch: KTo ist kacke. Und auch, wenn Ihr mich für einen staubigen Rock haltet: Ich folde in dieser Situation preflop. Die Chancen, mit KTo einen Angriff fortsetzen zu können, sind einfach zu niedrig. (Anmerkung: J9s wäre für mich zweifelsohne jedes Mal ausreichend stark, um in Position einen 1:2 Call zu machen)
zu 2.) Hier ist es nur eine Nuance. Der Conti-Bet ist auf jeden Fall richtig, aber ich hätte 2,- bis 3,- gesetzt. Der Big Blind erwartet einen Conti-Bet mit jeder Hand. Er stellt sich nicht die Frage, ob der Small Blind etwas getroffen hat (das ist ihm erstmal egal). Er geht sowieso von einer Conti-Bet aus. Er wird nur stutzig, wenn der Small Blind diese Conti-Bet unterlässt. Hätte alpman gecheckt, hätte Rob mehr Angst gehabt. Dennoch wäre Checken ein Fehler gewesen bei dem Board. Also: Rob stellt sich nur eine Frage: "Soll ich folden oder nicht?" Und diese Frage beantwortet er sich anhand von drei Kriterien: a.) wie teuer wird mich ein Call (oder mehr) kommen; sprich: wie hoch ist die Conti-Bet? b.) Ist der Small Blind erfahrungsgeäß mit Aggression vertreibbar (kann ich nicht beurteilen) und c.) Spielen meine eigenen Karten auch nur annähernd mit. B) kann ich nicht beurteilen und auf C) hat altman keinen Einfluss. Er hat nur einen Einfluss: Die Höhe seiner Conti-Bet. In dieser Situation: Je höher desto besser, weil er im Falle eines Calls C) besser beurteilen kann. In dieser Situation, in der es Rob egal ist, ob altman getroffen hat oder nicht (er hat sich ja mit dem preflop-Call schon entschieden, um den Pot zu kämpfen mit egal was auf der Hand), sind 50% des Pots (1,70) einfach zu niedrig.
zu 3.) Nicht überrascht sein: 4,80 sind zu hoch! 4,- wären mehr als genug. Nach dem Postflop-Call von Rob kommen nur zwei Dinge in Betrach: Rob hat tatsächlich ein verteigungsfähiges Blatt (ein Draw ist am wahrscheinlichsten) oder Rob hat sich entschieden, auf einen Turn-Bet zu raisen, egal was er hat. Im ersteren Fall reichen bei nur noch einer zu kommenden Karte 66% des Pots völlig aus, um "den Job" zu erledigen, aber ich halte den Pot, um den ich kämpfen muss absichtlich etwas niedriger. Und diese Potkontrolle wird wichtig, falls Rob einen Turn-Raise macht. Meine Entscheidung, zu callen, zu folden oder All in zu reraisen, ist leichter, je weniger Rob committed ist, also je kleiner der Pot ist.
zu 4.) Rob callt zweimal am Flop und am Turn. Ein Call davon ist ein Fehler (der andere nicht). Wenn ich schon mit J9s auf ein Small Blind Steal Versuch mit einem Call reagiere (und das würde ich immer tun, es sei denn der Small Blind wäre mir als Rock bekannt), dann tue ich das nur aus einem Grund: Ich spiele Position (das heißt: ich raise entweder auf Flop oder Turn). Das tut Rob hier nicht. Er spielt nur seine Karten, und das auch noch schlecht.
zu 5.) Bets verhindern Freecards. Nach dem River gibt es keine Freecards mehr zu verschenken. Hier kann man checken, ohne eine Verbesserung des Gegners befürchten zu müssen. Potkontrolle! Committe Dich nicht selbst durch einen Bet, mit dem Du kein Geld mehr gewinnen kannst (entweder Rob hat verfehlt und folded, oder er ist besser und raist). Und nachdem Rob zweimal entgegen der Odds gecallt hat, stinkt auf dem River jedes Pik und jedes Ass zum Himmel. Ruhe bewahren und checken. Auf den Check wird voraussichtlich kein sofortiges All in erfolgen, sondern ein ausreichend hoher Suck-Bet. Und dann kann ich mir überlegen, ob dessen Höhe das Risiko lohnt, bisher gesetzten 8,- noch weitere Bucks zur Kontrolle hinterherzuschmeißen. Habe ich aber bereits 20,- gesetzt (12,- davon völlig unnötig), wird diese Überlegung schon schwieriger.
zu 6.) Ein All in von immerhin zusätzlichen 30,- nach drei recht massiven Bets des Preflop-Aggressors, ist in der Regel kein Bluff. Zumal der River tatsächlich zu Robs bisherigem Spiel passt und sich in seine Geschichte nahtlos einfügt. Die 30,- hätte ich mir gespart, zumal ja ganz nebenbei auch 66, AT oder AK auf Robs Hand zusätzlich denkbar wären.
Athos
Die lebendige Substanz ist ferner das Sein, welches in Wahrheit Subjekt oder, was dasselbe heißt, welches in Wahrheit wirklich ist, nur insofern sie die Bewegung des Sichselbstsetzens oder die Vermittlung des Sichanderswerdens mit sich selbst ist. Sie ist als Subjekt die reine einfache Negativität, eben dadurch die Entzweiung des Einfachen; oder die entgegengesetzte Verdopplung.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel