OK, ich bin die Session mit Blick auf Mannes67 nochmal durchgegangen.
Villian saß bei meinem einblinden bereits am Tisch, aber nur mit 7,02 Euro.
In allen 73 Händen zeigte er nur zweimal seine Karten, beide Male gewann er. Einmal davon hielt er 63o und spielte dies vom SB per Minraise und traf satt.
Er variierte stark seine Bets. FirstIn`s gab es als limp, minraise (auch von utg), 3fach und 4fach raises.
Eröffnende Moves waren positionsunabhängig. Zwei Reraises aus dem SB, hiernach eine conti vs einen Gegner. Ebenso habe ich calls aus alles Positionen gesehen.
Reraises preflop variierten zwischen min und 4fach.
Er spielte nicht zwangsweise an, wenn am Flop zu ihm gecheckt wurde.
Villian beobachtete das Spiel besser als ich, der ich zwei Tische geöffnet hatte (werd ich mir künftig wohl erstmal schenken), denn in einer Spielsituation gegen einen anderen Gegner, ebenfalls oop, benannte er meinen Fold am Flop als Fold mit Jacks, was völlig richtig war.
Villian spielte ab Turn keine Potsizes und bevorzugt Turn und River 1/4 bis 1/2 Potsizebets und traf dabei nicht nennenswert auf Widerstand.
Fazit: - Obwohl Stack, Minraises, positionsunabhängige Calls und Spieleröffnungen nicht den sogenannten Lehrbüchern entsprechen, hat er den Tisch offenbar sehr genau beobachtet
- Wenn er im Showdown war, hat er gewonnen
- Er gewann jede Hand, wo er nach dem Flop weiterspielte
- Er spielte variabel in fast jeder Hinsicht und variierte auch seine Aggressivität
- wenn er den Flop sah, gewann er in dreiviertel aller Fälle
Mir fällt auf, dass ich selbst bei der Nachanalyse zu wenig auf die anderen Gegner geachtet habe. Tischbeobachtung unzureichend.
Zu meiner Hand: Oop und nicht wissend, was der BB macht, bringe ich ein deutliches Raise. Rechne damit, evtl kein weiteres Geld in den Pot zu bekommen, bin aber nicht dazu bereit, oop dem Btn einen preiswerten Positionscall zu ermöglichen. Hoffe auf die Verlockung des recht aggressiven BTN, seine Position zu spielen. Villian callt.
Als Preflopaggressor bringe ich am Flop eine 2/3 Potsizebet. Gegner raised min, was mir nicht gefällt, aber ich bin noch nicht bereit, die Hand aufzugeben. Gegen Ax, mittlere und kleine Paare lieg ich vorn, ebenso TT und Jacks. Gegen any Broadway liege ich nur gegen den König hinten aber 12 Outs zu FD und InsideSD, sowie Overcard A sind möglich. Call.
Turn: Ich lass ihm die Action, Er spielt sehr klein an ( mir fällt jetzt erst auf, dass er nur noch potsize hat

) und ich minraise, davon ausgehend, dass ihm das dritte Kreuz möglicherweise genau so wenig gefällt, wie mir und er die Hand aufgibt.
River: Check, er bettet knapp 1/4 Pot (Suck- oder Blockbet?) und ich calle wegen Odds und zur Informationseinholung, gehe aber davon aus, dass ich geschlagen bin.
Was mir noch auffällt: Ich beschäftige mich nie derart intensiv mit einer Hand, oder einem Gegner und sehe jede Menge Defizite in Spielweise, Tischbeobachtung. Offenbar sind zwei Tische zu viel für mich, wenn ichs besser machen will, zumal ich monatelang kein Cashgame gespielt habe.
Es soll wahrlich keine Ausrede sein, aber ich war nicht allein in der Hand. Paradoxerweise wollten mehrere Leute meiner Session zusehen, nämlich RoadRunner, Fischli, Chrischen und Micha.
Ich fand das gar nicht schlecht, hab auf die Art erstmalig versucht, meine Gedanken in einer Hand direkt zu äußern. So merke ich dann wenigstens selber, ob und was ich was dabei denke. Unabhängig davon, dass sich bereits in der Hand mindestens zwei Leute geäußert haben, bin ich mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass mein "Denken" innerhalb einer Hand lediglich das Abrufen von vorgefertigtem "Wissen" ist. Ich empfinde mein Denken in der Hand nicht als Prozess, der sich der Situation anpassen kann. Wenn ich dies vermisse, erklärt es mir auch meine mangelhafte Tischbeobachtung.
Trotzdem beginne ich grad wieder mit CG und fühle mich auch mit diesen genannten Erkenntnissen nicht unmotiviert.

(Aber angestrengt)
Dank und Gruß
JJ
Edit: Sorry, dachte die Stacksizes hätt ich drin.
mannes67: 13.75
jayjay: 24,75
Long John: 36,45
Revert: 24,50
Noch n Edit: Ich hab die Hand geschriben, weil ich weiß, dass sie Scheiße gespielt ist und nicht, um Absolution zu erhalten, also immer druff.
"Ein Leben schwindet oder weitet sich aus im Verhältnis zum eigenen Mut"
Anais Nin